Interessante Diskussion!
Grundsätzlich: Kritisieren kann man alles und jedes, auch meine Definitionen für Dreiklänge und Akkorde. Ich habe mir lange Gedanken darüber gemacht und bin der Meinung, dass so, wie es nun daherkommt, eine verständliche Linie hat, den Grundregeln gerecht wird und vor allem auch Anfänger-freundlich ist. Ich werde die diskutierten Bezeichnungen auch nach dieser Diskussion sie nicht ändern - wem's nicht passt, der soll sie auch nicht verwenden. So einfach ist das

Sicher kann man über alles und jedes unendliche Diskussionen führen und zu guter Letzt hat ja jeder irgendwie recht. Interessant ist, dass hier nun auf etwas herumgeritten ist, das in einer guten Form daher kommt. Eigentlich hätte es anhand der Resonanz dieses Themas eigentlich schon viel früher einen solchen Thread, jedoch mit Kritik an Bezeichnungen in veröffentlichten Werken. Da hätte es viel mehr Angriffsfläche!

So gesehen kann man an meinen Ausführungen so viel kritisieren wie man will - eine brauchbare und den Grundregeln gerecht werdende Alternative hat bis jetzt noch niemand gebracht...
ppue schrieb:
der übermäßige Mollakkord ist nicht nur eher unüblich, sondern geht als
harmonisches Gerüst nicht. Das Symbol C-+ ist auch nicht dazu angetan,
spontanes Verständnis für die dahinter stehende Struktur aufzubringen.
...dann habe ich soeben für ein Projekt halt einen Akkord verwendet, der laut ppue nicht als harmonisches Gerüst geht. Ist auch egal - der C-+(Dreieck)9 passt für diese Szene trotzdem hervorragend. Oder wie würdest du diese Tonfolge C - Eb - G# - B - D als Akkord bezeichnen?
ppue schrieb:
Das Gebilde C-(Dreieck)7 ist deshalb unschön, weil es das von mir beschriebene
gleichschenklige Dreieck "große Terz - kleine Terz - große Terz" braucht, um
das unsymetrische Gebilde kl-gr-gr darzustellen. Das ist natürlich ein
Missbrauch des Symbols.
Besser wäre etwas im Stil von: Das ist *von ppue aus gesehen* ein Missbrauch des Symbols

Apropos: Dass das Dreieck für die Terzen stehen soll, höre ich auch zum ersten Mal (so viel zum Thema *allseits bekannte Normen...* :-D ), ist aber ein interessanter Ansatz. Ich bin jedoch vor allem bei den Akkorden nicht ein Freund des Terzen-Schichtens, weil durch die Definition der Intervalle die Funktion der Töne offensichtlicher ist.
ppue schrieb:
Ich selbst verwende das m für Moll, da ich Plus und Minus lieber für Quinten
habe. Für die große 7 benutze ich maj7 oder j7, für den Major-7-Akkord das
Dreieck.
Sus4 wie bei Peter, dim für verminderten Dreiklang, der in der Praxis aber
selten benutzt wird, da fast selbstverständlich die 7 dazu gespielt wird. Ich
schätze, diese Tatsache trägt auch mit zu der Symbolverwirrung bei.
Alles andere mit + und - bei Über- und Untermaß, b und # bei groß und klein.
Siehste: Auch du hast deine Linie - und ich werde sie nicht übernehmen...
ppue schrieb:
Nachtrag: gerade erst gesehen: C-+?7, hehe, der ist gut. Ein Minuszeichen für
ein Tongeschlecht, ein Pluszeichen für ein übermäßiges Intervall, ein falsch
angebrachtes Symbol und eine Zahl für einen Ton! Ist aber egal. Der Akkord ist
mir selbst in Übersee noch nicht begegnet.
Siehe oben - er tönt auch mit der zusätzlichen None tipptopp und an der Probe musste ich der Rhythm Section keine Erklärung abgeben. Das bedeutet für mich: Wieder einmal wurde das System in der Praxis erprobt und für gut befunden.
Weso schrieb:
Trotzdem, meines Wissens nach ist ein Dreiklang, wenn er einigermaßen harmonisch daherkommt, also nicht etwa z.B. ein Cluster aus drei kl. Sekunden, schon ein Akkord, eine Harmonie, zwei Töne sind ein Zweiklang.
Wie bereits erwähnt: Es gibt diesbezüglich keine allseits gültige Norm in der Musik-Wissenschaft. Daher beruht das "...meines Wissens" nicht auf einer anerkannten Norm, sondern auch auf deinen bisherigen Erfahrungen und gibt (weil's ja nicht wissenschaftlich möglich ist) keine Auskunft über richtig oder falsch.
Für mich stimmt es so:
2 Töne = Zweiklang (Intervall)
Anhand zweier Töne ist ohne musikalischen Zusammenhang nicht definierbar, welches Tongeschlecht zugrunde liegt.
3 Töne = Dreiklang, bestehend aus GT - 3 - 5 (Ausnahme: sus4, statt Terz die Quarte)
Ab sofort wird mit Ausnahme des sus4 das Tongeschlecht eindeutig.
ab 4 Töne = Akkord
Ab einem Akkord ist eine Funktion möglich, ebenso ist in Bezug auf ein diatonisches Zentrum die Einteilung nach Kräften möglich.
Weso schrieb:
Das oder ein grundlegendes Problem scheint mir zu sein, daß Akkordsymbole gleichzeitig Infos darüber geben, welche Akkorde z.B. der Gitarrist tatsächlich spielt, darüber hinaus aber auch, welche Töne zusätzlich möglich sind, bis hin eben zu Skalen. Z.B. der akkord C7,#5 ich glaube, bei dir C7+. Spielt der Pianist also c, e, gis, bb. Ok, alles palletti?
Meistens ist dieser Akkord aber eigentlich als C7, b6 gedacht, d. h. die Quinte gehört richtigerweise zur Skala. Nehme ich die Akkordanweisung aber wörtlich, ist die Quinte aber schon "vergeben", also als Skalenton "falsch".
Schreibe ich nun aber C7, b6 , dann spielt ein unerfahrener Pianist vielleicht die Töne C, e, g, ab, bb in seinem Akkordvoicing, was aber für viele Situationen nicht unbedingt optimal ist. Die Sexte alleine statt der Quinte ist meist besser
Hier passieren die meisten Fehler, weil die Melodie nicht beachtet wird, respektive auch die Funktion des Akkordes im Zusammenhang. Wenn ich einen C+ schreibe, dann ist es klar, dass kein G gespielt wird. Und wenn ich ein Ab als Tension b13 will, dann schreibe ich dies auch.
Aber ich weiss (und hatte auch schon lange Diskussionen darüber), dass bei diesem Intervall grosse Meinungsunterschiede herrschen. Dabei ist's ganz einfach: Ein erhöhtes Intervall hat den Drang, noch grösser zu werden. Ein erniedrigtes Intervall will noch kleiner werden. Wenn man dies beachtet, ist die Notation klar. Was in der Grundstruktur GT - 3- 5 - 7 definiert ist, kann in den Obertönen nicht geändert werden. Wie die Harmoniker diese Chords dann spielen, ist sekundär und wenn es sie stört, dass neben der Quinte noch ein b13 vorhanden ist, dann können sie die Quinte ja weglassen. Und wenn ich als Arrangeur in einem Cluster die Farbe C79b13 will weil's eben zur Szene passt, dann harmonisiere ich ihn auch mit Quinte z.B. Bb - C - D - E - G - Ab. Oftmals wird bei theoretischen Analysen ausser Acht gelassen, dass es schlussendlich um klingende Musik geht und dass je nach Stilistik, Einsatz, Sinn usw. eines Klanggebildes Varianten möglich sind, die anderorts weniger gut passen würden.
Apropos: Statt b6 schreibt man besser b13, damit geübte Leser merken, dass die Tension b13 eine zusätzliche Farbe gibt. Und gerade ungeübte Changes-Leser sind nach meinen Erfahrungen dankbar, wenn sie sich daran halten können, dass alles, was unten ist, zur Dreiklang-Struktur gehört und alles, hochgestellt ist, Septime und die weiteren Tensions (9, 11, 13) betrifft.
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<em>editiert von: peterwespi, 05.01.2007, 17:19 Uhr</em><!-- end editby -->